Christoph Metzelder: Vom Profifußballer zum Unternehmer

In der Villa hocken und entspannen – das ist nicht Christoph Metzelders Sache. Im Gespräch mit MAG|NET erklärt der Ex-Profi, wie er den Wandel vom Kicker zum Unternehmer gemeistert hat und warum er seine Heimat, das Ruhrgebiet, auf dem richtigen Weg wähnt.


Christoph Metzelder: „Mehr Sein, weniger Schein – das ist für mich das Ruhrgebiet“

Interview: Julian Kühn
Fotos: Frank Lothar Lange

Christoph, warum engagierst du dich?

Da muss ich in meine Kindheit zurückgehen.

Mit meinen drei Geschwistern bin ich so aufgewachsen, dass in der Familie regelmäßig die Tageszeitung gelesen wurde, wir abends Nachrichten geschaut haben, und dass dann auch im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt diskutiert wurde.

Dabei stand immer im Vordergrund, dass wir in Deutschland ein privilegiertes Leben führen. Als ich dann Profi wurde, habe ich unterschiedliche Vereine und Stiftungen unterstützt. Nach der WM im eigenen Land hatte ich dann das Gefühl gehabt, dass ich noch viel mehr machen kann.

Deswegen habe ich mit der Christoph Metzelder Stiftung ein eigenes „Projekt“ gegründet. Wir sind wie ein Inkubator: Wir sammeln Ideen, Kontakte und Geld und unterstützen damit bestehende Projekte der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Christoph Metzelder engagiert sich mit seiner Stiftung für Kinder und Jugendliche (Foto: Frank Lothar Lange)

Du könntest ja auch einfach in deiner Villa entspannen. Warum tust Du dir das alles an?

Ich will der Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin, auch etwas zurückgeben. Wenn jeder das einbringt, was er kann, dann kann eine Gesellschaft erst funktionieren.

Die Unterstützung von Kindern und Jugendliche über die Stiftung und unsere Projekte ist eine ganz einfache Form von Menschlichkeit – diejenigen, die mehr haben oder mehr leisten können, geben davon etwas ab!

Auf der anderen Seite habe ich auch eine politische Motivation. Ich bin, wie du, ein Kind des Ruhrgebiets, habe, bis auf drei Jahre in Madrid, mein ganzes Leben hier verbracht.

Wie empfindest Du Deine Heimat?

Wir haben hier im Pott – und im ganzen Land – ein volkswirtschaftliches Problem, wenn viele junge Menschen wirtschaftlich und damit auch gesellschaftlich abgehängt und nicht mehr integriert sind.

Wir können es uns nicht erlauben, so viele Mädchen und Jungen, ihre Kreativität und ihr Potential einfach zu verlieren. Diese beiden Aspekte sind mir persönlich wichtig und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, eine Stiftung für Bildungsprojekte in der Kinder- und Jugendarbeit zu gründen – vor allen Dingen auch hier im Ruhrgebiet!

Christoph Metzelder Stiftung

(Foto: Frank Lothar Lange)

Ich bin total davon überzeugt, dass wir hier unheimlich viel Potential haben. Die großen Industrieflächen und -denkmäler bergen den eigentlichen Schatz des Ruhrgebiets: Lebens- und Arbeitsraum für junge, kreative Menschen.

Im Ruhrgebiet ist der Ausstieg aus der Kohle schon lange ausgemachte Sache. Ab November mit der Schließung der letzten Zeche Prosper Haniel in Bottrop 2018 ist dann endgültig Schluss. Wie sehr trifft das deine Heimatregion?

Meine Heimatstadt Haltern am See bildet an der Grenze zum Münsterland den nördlichen Ausläufer des Steinkohleabbaus. Kurz vor Haltern gibt es noch ein paar Luftschächte und Auguste Victoria in Marl ist die nächstgelegene Zeche.

Mein Co-Trainer beim TuS Haltern hat übrigens noch eine Ausbildung als Bergmann gemacht und ist jetzt erst durch eine Umschulung bei der Caritas gelandet. In Haltern arbeiten viele Menschen im Chemiepark Marl.

„Den Ansatz Stadt der Städte finde ich großartig. Das ist für mich die Zukunft des Ruhrgebiets! Eine große Metropole, die zusammenwächst.“ Christoph Metzelder

Wenn man sich mal den Wandel des Ruhrgebiets weg von der Montanindustrie anguckt, trifft man Menschen, die in den letzten 20 Jahren ihre berufliche Grundlage verloren haben und sich neu orientieren mussten.

Wie könnte der Wandel vor Ort weiter funktionieren?

Das Ruhrgebiet ist dabei, sich neu zu erfinden und natürlich ist es für die Menschen existenziell, die diesen Wandel persönlich erleben.

Trotzdem glaube ich, dass diese Region sich weiterentwickelt, aber wir brauchen mehr Miteinander und weniger kommunales Denken!

Den Ansatz „Stadt der Städte“ finde ich großartig. Das ist für mich die Zukunft des Ruhrgebiets! Eine große Metropole, die zusammenwächst.

Gibt es irgendetwas, was du am Ruhrgebiet besonders schätzt?

Die Menschen! Den Zusammenhalt, der aus der industriellen Vergangenheit herrührt. Die Bergleute, und diejenigen, die schwer und körperlich hart gearbeitet haben, haben sich gegenseitig unterstützt.

Mich erinnert das an „Komm zur Ruhr“ von Herbert Grönemeyer. Da beschreibt einfach jede Textzeile das Ruhrgebiet und seine Menschen: Mehr Sein, weniger Schein.

Ein ehrliches Wort, das am Anfang vielleicht ein bisschen schroff daherkommt, aber im Herzen sind die Menschen gut.

Wie läuft es sportlich bei Dir? Kickst Du noch regelmäßig? Vielleicht mit deiner U19 bei TuS Haltern, die du als Trainer betreust?

Ich bin „nur noch“ Trainer, zumal wir uns in der Westfalenliga mittlerweile auf einem wirklich hohen Niveau bewegen. Das ist unter der U19-Bundesliga wirklich ambitionierter Amateurfußball.

Christoph Metzelder im Gespräch mit unserem Autor Julian Kühn (Foto: Frank Lothar Lange)

Wie steht es um deine Fitness? Mehr als ein Jahrzehnt Profifußball hinterlassen ihre Spuren, oder?

Ich mache ein bisschen Fitnesstraining, gehe Joggen. Und ich spiele mal zwei, drei Benefizspiele im Jahr. Mehr eigentlich nicht.

Wie hast du es mental geschafft, dein durchgetaktetes Leben in ein entspannteres zu verwandeln?

Ich habe mir natürlich neue Gebiete und Aufgaben gesucht. Ich muss sagen, dass ich jetzt eigentlich mehr arbeite, als zuvor zu meiner Zeit als Profifußballer und dass mein Leben ein Stück weit unstrukturierter geworden ist.

Vorher war durch den Verein und den Trainer der Tages- und Wochenplan vorgegeben, jetzt organisiere ich mich und mein Leben selber.

…und auch das Leben anderer. Du bist auch Papa.

Genau. Ich habe eine kleine Tochter. So reise ich zwischen der Stiftung, dem TuS Haltern, Sky, der Agentur, meiner Familie und anderen Themen durch die Republik und bin wirklich total froh und genieße das einfach auch, dass ich so viel lernen und so viele Erfahrungen sammeln darf.


Das vollständige Interview mit Christoph Metzelder könnt Ihr im MAG|NET Magazin #5 lesen.

2018-12-04T22:47:37+00:00Dezember 5th, 2018|Menschen|