Haus Nohra: Eine Unterkunft gesucht, ein Zuhause gefunden

Hoteltipp: Haus Nohra in St. Michael, Österreich

Auf seiner Rückfahrt von Istrien in den Ruhrpott macht Igor Albanese Zwischenstopp im Österreichischen St. Michael. 

Die Hinfahrt nach Istrien geht immer schnell, in einem durch. Die Rückfahrt ist dann aber, als ob man den Urlaub noch ausdehnen möchte, gemütlicher.

Meistens machen wir einen oder zwei Stopps. Diesmal regnet es, die Autobahn ist voll, vor dem Tauerntunnel staut es sich. Nach dem Tunnel aber scheint die Sonne, als ob es in diesem Tal nie regnet.

Die nächste Ausfahrt ist St. Michael. Wir hatten entscheiden, hier zu übernachten. Bei Booking.com werden wir schnell fündig: Haus Nohra hat es uns angetan.

Als die Buchungsbestätigung kommt, tippen wir die Adresse ins Navi und fahren los – leider im Kreis. Als die Suche kein Ende findet, gehe ich zur Polizeistation. Der diensthabende Polizist ist ausgesprochen nett und erklärt, dass einige Straßen vor Kurzem zu Einbahnstraßen geworden sind. Irgendwie schaffen wir es trotzdem.

Bei Haus Nohra angekommen, leicht genervt, hungrig und müde, ist alles dunkel. Niemand macht auf. Nach Klingeln und Klopfen öffnet sich plötzlich doch noch die Tür und ein freundliches, lachendes Gesicht macht allen Strapazen ein Ende.

„Ihr seid unsere letzten Gäste vor Ende der Saison. Weil ihr in letzte Minute das Zimmer reserviert habt, musste ich erst alles saubermachen und für euch vorbereiten“, sagt Besitzer Robbert. Sein Akzent verrät ihn. Diese Freundlichkeit und Offenheit, das sofortige Duzen und die ersten Einblicke in das Interieur sind Anzeichen genug. „Du musst Holländer sein“, sage ich und behalte Recht.

Und dann das Zimmer: Viele kleine Details und stilvolle Accessoires, ein monumentaler Blick durch die Terrassentür. Es stimmt einfach alles. Robbert gibt uns mehrere Restaurantempfehlungen. Wir befolgen sie und verbringen einen schönen Abend in St. Michael.

Am nächsten Morgen ist das Frühstück ein Erlebnis – inklusive persönlichem Service vom Chef selbst. Danach bietet er uns eine Führung durch sein Hotel, zeigt uns alle Zimmer der 18-Betten-Pension und erzählt uns seine Geschichte. Wie er aus Holland nach Österreich auswanderte. Bevor er ansetzt, öffnet sich die Tür: Seine Frau Astrid stellt sich vor, umschwärmt von zwei süßen Kindern.

Die KLM-Stewardess berichtet, wie sie, Robbert und ihre Kinder Olivier und Noah im Mai 2016 aus dem südholländischen Zeeland nach Österreich kamen. „Die Berge, die Menschen, die Ruhe, das ist so schön“, schwärmt sie. Astrid hatte sich schon als Kind in Österreich verliebt.

Sie war jedes Jahr mit ihren Eltern in Tirol im Urlaub. Als sie 2006 Robbert kennenlernte der noch nie zuvor in Österreich war, konnte sie ihn schnell mit ihrer Liebe zum Land anstecken. Robbert, der zuvor als Physiotherapeut und DJ gearbeitet hatte, suchte eine berufliche Veränderung.

„Dann fiel die Entscheidung und das Suchen und Entdecken begann“, berichtete Astrid. „Wir fragten uns: Wo wollen wir hin, wo ist es für uns am schönsten, wo gibt es für uns die besten Chancen? Und wo können wir unsere beiden Kinder am besten aufwachsen lassen, wo gibt es gute Möglichkeiten?“ Irgendwie kamen sie dann nach Lungau.

„Ein superschönes Tal, viele Aktivitäten im Sommer und Winter, gute Schulen, schöne Geschäfte. Hier gibt es ein Leben nicht nur für Touristen“, sagt Astrid. Der Ort lebe auch außerhalb der Saison, die Gemeinde halte zusammen, die Jugend bleibe hier und wandere nicht aus. „Ein wunderschöner Zusammenhalt.“

„Außerdem“, erzählt sie weiter „gibt es hier eine kleine holländische Gemeinde, die von den Einheimischen herzlich aufgenommen wurde.“ Sie seien einfach ins kalte Wasser gesprungen. Ende 2016 fanden sie dann ihr Traumhaus. „Wir haben uns sofort in das Haus verliebt. Die Lage, die Räume und natürlich die tolle Aussicht“, schwärmen beide.

Seit Mitte August 2017 wurde ihr Traum wahr: Sie eröffneten die Frühstückspension „Haus Nohra“. Wir waren inzwischen schon drei Mal dort – und werden wiederkommen.


Die Gemeinde St. Michael im Lungau liegt auf 1.075 Meter Seehöhe und wurde im Jahre 1416 zum Markt erhoben. Heute ist sie Teil des UNESCO-Biosphärenparks Salzburger Lungau und die sonnenreichste Region Österreichs.

Als Naturpark und Skiparadies bietet St. Michael zu jeder Jahreszeit vielfältige Erlebnismöglichkeiten. Die Skigebiete Großeck-Speiereck, Fanningberg, Katschberg und Obertauern umgeben das Tal.

2018-09-26T16:18:32+00:00September 28th, 2018|Reisetipp|