Essen, nie ohne Stauder!

Im Porträt: Brauereichef Thomas Stauder

Bier gleich Familienname: Stauder gehört zu Essen wie die Zeche Zollverein, der RWE und das Folkwang Museum. Für Thomas Stauder, der die Brauerei seit 13 Jahren leitet, ist sie mehr als ein Geschäft.

Vergangenes Jahr feierte Stauder sein 150. Jubiläum. Die Gastgeber: Thomas Stauder und sein Cousin Axel. Die beiden leiten das Unternehmen in der sechsten Generation. Die Staudergeschichte beginnt also mit ihrem Urururgroßvater Theodor.

Der war Sohn eines Winzers und gelernter Bierbrauer und Fassbinder und kam vor 151 Jahren aus Unterfranken nach Essen, um eine kleine Hausbrauerei zu übernehmen. Damals hatte in der 40.000 Einwohner zählenden Stadt gerade die Ära von Kohle und Stahl begonnen.

Alles, was Essen seitdem erlebt hat, hat es gemeinsam mit Stauder erlebt. Stadtgeschichte und Unternehmensgeschichte gehören zusammen.

Zusammen gehören auch die Brauerei und Thomas Stauder – obwohl die Übernahme des Geschäfts seines Vaters für ihn nicht immer feststand. Nach dem Abitur an der Goethe Schule in Essen studierte er nicht Brauwesen wie sein gleichaltriger Cousin, sondern Marketing und Finanzwirtschaft in Münster.

Ein Name für alles

Thomas Stauder wollte es sich offenhalten, ins eigene Unternehmen einzusteigen, bis er genug Erfahrungen gesammelt hatte, um eine gute Entscheidung zu treffen, sagt er. Nach der Promotion fing er deshalb nicht bei Stauder, sondern bei der Warenhandelsgesellschaft Tengelmann an.

Denn eins war ihm immer bewusst: Es ist etwas ganz Besonderes, ein Unternehmen zu führen und ein Produkt herzustellen, die genauso heißen wie man selbst. „Wenn auch den Kunden wichtig ist, dass das, was du machst, etwas Persönliches ist, dann kann man da nicht einfach so reinrutschen.“

Eine Nachfolge innerhalb der Familie muss wohl überlegt sein, findet Thomas Stauder. „Der größte Fehler, den Eltern im Familienunternehmen machen können, ist, den Kindern zu sagen: Ihr müsst das Geschäft übernehmen. Es kann schließlich keiner wissen, ob es später auch von beiden Seiten passt.“

Seine Eltern hätten es damals sehr geschickt angestellt, findet er heute. Sie bauten keinen Druck auf, doch es war immer klar, dass die Entscheidung früher oder später getroffen werden muss.

Thomas Stauder konnte sie schließlich zum richtigen Zeitpunkt und aus Überzeugung treffen. Gemeinsam mit seinem Cousin trat er 2005 die Nachfolge seines Vaters Claus und seines Onkels Rolf Stauder an.

Eine Werbekampagne machte Thomas Stauders Gesicht stadtbekannt

Einen wirklichen Feierabend hatte er seitdem nicht mehr, so sehr verschmelzen Privatmensch und Unternehmen.

Seit der auffälligen Plakatkampagne mit dem grünen Sofa und den beiden freundlichen Herren im Anzug wird Thomas Stauder regelmäßig auf der Straße erkannt.

Aus der Brauerei, wo auch sein Büro liegt, geht es abends oft gleich weiter zu einem Kunden, einer Veranstaltung oder einer Einladung. Dann fährt er nur kurz nach Hause, um seine Frau abzuholen.

Das alles gehört für ihn dazu. Er liebt seinen Beruf – etwas Schöneres, als die eigene Brauerei zu leiten, gibt es für ihn nicht. Zeit, um mit seinem Sohn Tennis zu spielen, findet er dabei immer.

Der Zehnjährige ist noch zu klein für wichtige Berufsentscheidungen: „Aber natürlich ist es der Wunschtraum eines jeden Familienunternehmers, das Unternehmen in die nächste Genration übergeben zu können. Ob das klappt, wird sich zeigen.“

Bis dahin will Thomas Stauder seinen Teil dazu beitragen, indem er umsichtig handelt – und sich nicht bloß auf Zeit und den persönlichen Profit konzentriert. „Natürlich geht es auch ums Geld verdienen, aber ich denke langfristig.“

Wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen

Zu einer guten Atmosphäre trägt bei Stauder Verschiedenes bei: Schafe mähen auf dem Brauereigelände den Rasen, das Unternehmen engagiert sich lokal in Sport und Kultur und pflegt eine persönliche und langfristige Beziehung zu seinen Mitarbeitern.

Thomas und Alex Stauder möchten Stauder das 200. Jubiläum ermöglichen – auch dadurch, dass sie sich weiter für die Stadt Essen und das Ruhrgebiet einsetzen. Da sind die beiden sich einig.

Wie bei allem, was für das Unternehmen wichtig ist. Denn wichtige Entscheidungen treffen sie grundsätzlich gemeinsam: „Dann kann keiner sagen: Wenn’s schiefgeht, warst du es.“

2018-07-24T20:11:21+00:00Juni 12th, 2018|Menschen|