Die ganze Welt im Ruhrgebiet

Dan Brown floh als Kind mit seinen Eltern vor dem Bürgerkrieg aus seiner Heimat, dem Kongo.
Heute ist das Multitalent Frontmann der Band Banda Senderos und ein Meister darin die richtigen Leute miteinander zu vernetzen.

Dan, du bist als Kind mit deiner Mutter aus dem Kongo nach Deutschland gekommen. Warum habt ihr eure Heimat verlassen?

In den neunziger Jahren gab es im Kongo einen Bürgerkrieg. Eines Tages hieß es plötzlich „ab morgen sind wir hier weg“ – und ich wollte das gar nicht. Uns ging es eigentlich megagut. Wir haben in der Hauptstadt Kinshasa gelebt. Das Problem war, dass meine Eltern zu viel verdienten und deshalb verfolgt wurden. Wir mussten also fliehen. Mein Vater hat dann dafür gesorgt, dass meine Mutter und ich zuerst nach Europa fliehen konnten.

Seid ihr direkt nach Deutschland gekommen?

Wir hatten keine Probleme, den Kongo zu verlassen und kamen zuerst mit dem Flugzeug nach Belgien. Dort habe ich zum ersten Mal Schnee gesehen. Schnee kannte ich nicht mal aus dem Fernsehen, denn im Kongo haben Kinder nie ferngesehen. Da spielte sich das Leben draußen ab. Das war für mich ein Naturphänomen und hat mich sehr beeindruckt – bis ich gemerkt habe, dass der Schnee echt kalt ist. Über Umwege sind wir dann schließlich nach Essen-Burgaltendorf gekommen, dann nach Kupferdreh. Da haben wir schließlich unsere erste eigene Wohnung bekommen. Mein Vater kam dann nach und das Leben hier ging los.

Wie waren die ersten Jahre in Deutschland?

Ich kam zuerst in die Grundschule, danach auf die Hauptschule und in der siebten Klasse konnte ich auf das Unesco-Gymnasium wechseln. Danach habe ich vier Semester Elektrotechnik in Duisburg studiert, weil mein Vater Elektrotechniker ist, aber habe dann gemerkt, dass ich ein Freigeist bin und eigentlich was anderes will. In Krefeld auf einer Party habe ich durch Zufall einen Dozenten kennengelernt. Im Austausch mit ihm habe ich gemerkt, dass Kommunikationsdesign genau mein Ding ist und habe mit dem Studium in Krefeld begonnen. Ich bin mittlerweile im siebten Semester und hoffe, dass ich nach dem achten fertig sein werde.

Du bist außerdem Sänger in der Band Banda Senderos. Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe unseren Schlagzeuger Julian, der ja auch MAG|NET mitgegründet hat, durch einen gemeinsamen Proberaum kennengelernt. Ich habe mir die Musik von Banda Senderos angehört und war total begeistert: Ich liebe Bossa Nova! Ich bin dann immer öfter zu Sessions gefahren und so kam es dann irgendwann, dass ich mit eingestiegen bin. Mittlerweile bin ich seit ungefähr fünf Jahren dabei.

Was möchtest nach dem Studium machen?

Am liebsten würde ich Kommunikationsdesign mit der Musik verbinden. Es muss auf jeden Fall etwas sein, das ich kreiere – sei es eine Installation, etwas auf der Bühne oder die Neugestaltung eines Konzerterlebnisses. Aber es ist noch nichts fest, das ist nur eine Wunschrichtung. Ich möchte mich auch noch nicht festlegen. Das ist mir zu starr. Dann habe ich das Gefühl „Das war’s!“
Ich mache aktuell Kurzfilme, Illustrationen und Animationen. Wenn ich merke, dass der Punkt gekommen ist, an dem ich eine Familie gründen möchte und eine feste, sichere Arbeitsstelle brauche, dann lande ich wahrscheinlich bei Porsche. Da habe ich im letzten Jahr ein Praktikum gemacht und immer noch guten Kontakt. Aber ich mag Stuttgart eigentlich nicht – die Leute sind mir viel zu spießig.

Was gefällt dir am Ruhrgebiet?

In Europa hatten wir hier in Essen unsere erste eigene Wohnung. Hier hat alles angefangen. Ich habe hier Freunde gefunden. Alles, was ich heute bin, habe ich dem Ruhrgebiet zu verdanken. Es hat einfach Charme. Durch die Tanz-Battles habe ich schnell gelernt, dass Deutschland unterschiedlich ist. Durch meine Band habe ich gelernt, dass das Ruhrgebiet einzigartig ist. Es ist nicht Berlin, nicht Hamburg, nicht Bayern. Dortmund oder Bochum fühlen sich nicht an wie andere Städte, sondern nur wie eine Haltestelle weiter. Mit dem Gefühl war ich letztes Jahr in Stuttgart, da ist das ganz anders. Wenn du in Stuttgart bist, bist du in Stuttgart. In die nächste Stadt, nach Ludwigsburg, zu kommen, ist kompliziert. Da bist du schneller gelaufen als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier haben wir diese Nähe. Wir sind der Pott. Es gibt so viel Kultur und alles vermischt sich. Gerade auch in der Underground-Szene. Die ganze Welt ist irgendwie im Ruhrgebiet.

Wenn das Leben ein Comic wäre, welche Figur wärst du?

Ich wäre Spiderman. Ich wurde in der Uni sogar so getauft: Spiderdan – weil ich Menschen vernetze und auch immer unter Menschen bin. Die ganze Uni kennt mich. Ich war schon immer ein Typ, der mit fremden Leuten schnell Kontakt knüpft. Ich mag es, neue Menschen kennenzulernen. Ich kann nicht alleine sein. Und in der Uni ist das nicht anders. Ich mische in allen Gruppen ein bisschen mit und dadurch entstehen neue Kontakte.

Interview: Denise Nelle
Fotos: Frank Lothar Lange

Das Interview gibt‘s in voller Länger auf gesichter-ruhr.de

2018-06-13T12:01:44+00:00 Juni 12th, 2018|Menschen|